Der MÖNCH von SALZBURG
Ich bin du und du bist ich — Lieder des Mittelalters
Bären Gässlin






IMAGEN





A


1 - Grasselick lif   [3:20]
2 - Das kchühorn ~ Untarnslaf   [3:06]
3 - Das taghorn ~ Gar leis in senfter weis   [4:05]
4 - Der tischsegen ~ Allmächtig got   [1:53]
5 - Martein lieber herre   [1:15]
6 - Ain enpfahen ~ Wol kum mein libstes ain   [1:12]
7 - Seint röslein plüemlein manigerlay   [4:30]




B


8 - Ich han in ainem garten gesehen   [4:03]
9 - Dy trumpet ~ Hör libste frau   [1:01]
10 - Wol mich wart ain hübsches frewlein czart   [1:41]
11 - Das nachthorn ~ Zart libste frau   [3:12]
12 - Von der heyligen dryfaltikait der ympnus   [1:35]
13 - Von sand Marteins frewden ~ Wolauff lieben gesellen   [4:10]
14 - Joseph, lieber nefe mein   [3:07]



Diese Aufnahme ist den MÖNCH-Forschern Cesar Bresgen und Franz V. Spechtler gewidmet.










Bären Gässlin
Michael Korth, Johannes Heimrath

Isabella Ernst · Gesang
Pierre Ginzburg · Garkleinflötlein, Sopranblockflöte, Altblockflöte, Baßblockflöte, Holztraversflöte, Altkrummhorn, Baßkrummhorn
Johannes Heimrath · Gesang, Laute, Schlaginstrumente, Blockflöte, Trumscheit
Michael Korth · Gesang, Fidel
Christine Simon · Fidel, Diskantgambe
Rudolf Süss · irische Harfe









Der MÖNCH von SALZBURG ist zweifellos der wichtigste deutsche Dichterkomponist des 14. Jahrhunderts und der erfolgreichste deutsche Lyriker. Die große Beliebtheit seiner Lieder wird durch über 100 Handschriften belegt, die seinen Namen noch bis ins 16. Jahrhundert überliefern.

Sein Werk spiegelt das Leben an den Höfen des Spätmittelalters wider, das durch die Verbindung des poetisch verklärten Rittertums mit der Geisteswelt der Frührenaissance eine einzigartige Kultur hervorgebracht hat. Das Leben der höfischen Gesellschaft selbst wird zum Kunstwerk und findet in Musik, Dichtung und Tanz seinen schöpferischen Ausdruck. Komponisten und Dichter wie Philipp de Vitry, Francesco Landini, Chaucer, Boccaccio, Petrarca und Guillaume de Machaut geben der Kunst neue Dimensionen. Es herrscht ein internationaler geistiger Austausch. Fürsten und Künstler sind universell gebildet, und eine gemeinsame Liebe zu Kunst und Wissenschaft hebt Standesunterschiede auf. Im deutschen Sprachraum ist es einzig der Mönch von Salzburg, der dem neuen Lebensgefühl dichterischen und musikalischen Ausdruck gibt und Ebenbürtiges hervorbringt. Seine große Popularität verdankt er dem neuen, nie zuvor gehörten Ton in seinen Liedern, einer absoluten Identität von Musik und Sprache, Klang und Sinn. Er greift alte Themen und Motive der mittelhochdeutschen, romanischen und lateinischen Lyrik wieder auf und belebt sie auf faszinierende Weise. Als Komponist erweitert er die Ausdrucksformen des einstimmigen Liedes und führt in Deutschland die Kunst der Polyphonie ein. Die kunstvolle Verbindung seiner Melodik mit eingängigen, jedoch komplizierten Rhythmen und dichterischen Stilmitteln wie Assonanz, Tonbeugung und Addition zeigt, daß der Mönch von Salzburg ein Meister der Monodie ist. Die Lieder zeigen deutlich den Einfluß des bedeutendsten Dichterkomponisten des 14. Jahrhunderts, Guillaume de Machaut. Der Mönch übernimmt nicht nur dessen neue dichterische und musikalische Formen, sondern auch Rhythmen, Motive und sogar einzelne Verse. Seine neuen Schöpfungen bilden das Fundament der frühneuhochdeutschen Liedkunst; der Einfluß auf Wolkenstein, Heinrich Laufenberg und Paul Hofhaimer ist deutlich zu erkennen und selbst in den Gedichten von Gryphius spürbar.

Das gesamte überlieferte Werk besteht aus 49 geistlichen und 57 weltlichen Liedern, darunter 4 mehrstimmige Kompositionen. Neben Marienliedern und Festgesängen (z. B. das bis heute gesungene "Joseph, lieber nefe mein") findet man höfische Liebeslieder, Minneparodien, Lästerzungenhetze und unmäßige Freß- und Sauflieder, die denen der Meister des Genres, Wolkenstein, Bellman und Li Tai-Bo an Vitalität nicht nachstehen: "Wir saufen uns so voll, daß uns die Zunge lahmt, der Atem stockt, wenn wir die Wand entlang uns tasten." Außerdem gehören singbare Übersetzungen lateinischer Hymnen und Sequenzen zum Werk.

Wer aber verbirgt sich hinter dem Künstlernamen "Mönch von Salzburg"? Die Sammler der Lieder um die Mitte des 15. Jahrhunderts wußten es offenbar auch nicht mehr. Sie nennen als mögliche Verfasser verschiedene Kleriker: Hermann, Johann bzw. Hans und Martin. Diese hätten am Salzburger Hof geistliche und weltliche Lieder verfaßt. Weiters wirkten dort zur selben Zeit die Dichterkomponisten Jacob von Mühldorf und Peter von Sachs. Offenbar bildeten sie einen Dichterkreis um Erzbischof Pilgrim II., denn in seinem Auftrag wurde gedichtet und komponiert Pilgrim was eine typische Herrschergestalt des ausgehenden Mittelalters, ein hochgebildeter Mann mit künstlerischen Interessen und internationalen politischen Verbindungen. Unter den Werken des Mönchs von Salzburg gibt es ein Liebeslied an die "allerliebste, schönste Frau in Schloß Freisaal". Als Verfasser bezeichnet sich Pilgrim selbst. Er scheint also mit dem geheimnisvollen Mönch identisch zu sein. Dafür sprechen auch weitere Beobachtungen.

Dies ist die erste Schallplatte, die dem Mönch von Salzburg gewidmet ist. Es wurde versucht, das dichterische und musikalische Werk in seiner ganzen Breite exemplarisch zu zeigen.

Michael Korth



BÄREN GÄSSLIN

Die von Bären Gässlin herausgebrachten Schallplatten ergänzen die im Heimeran-Verlag, München, erscheinenden Ausgaben der Reihe Musik und Dichtung. Sie sind dem Werk einzelner Dichterkomponisten und Sammlungen von Texten und Melodien gewidmet.

Diese Verbindung von Buch und Schallplatte ist der Versuch, alte Liedkunst in praktischen Ausgaben wieder zugänglich zu machen und durch akustische Beispiele zu zeigen, wie diese Musik heute neu interpretiert werden kann.




IMAGEN








1980
Pläne Studio, Dortmund

1980   |   Pläne 88 171 (LP)
2008   |   Pläne 88952 (CD)



medieval.org   recorderhomepage.net   muziekweb.nl