Oswald von WOLKENSTEIN
Frölich geschray so well wir machen
Bären Gässlin






IMAGEN





A


1 - Grasselick lif   [1:59]
2 - Es fugt sich   [6:36]
3 - Die mynne füget nyemand   [1:40]
4 - Frölich geschray so well wir machen   [2:10]
5 - Nu huss sprach der Michel von Wolkenstain   [2:21]
6 - Ich spür ain tyer   [7:19]




B


7 - Treib her   [7:19]
8 - Da frayg amors   [1:53]
9 - Freuntlicher blick   [4:28]
10 - Nu rue mit sorgen   [2:51]
11 - Gesegnet sey die frucht   [2:07]
12 - Wol auff wir wellen slauffen   [2:18]











BärenGässlin
Michael Korth, Johannes Heimrath

Pierre Ginzburg · Garkleinflötlein, Sopranblockflöte, Altblockflöte, Baßblockflöte, Holztraversflöte, Altkrummhorn, Baßkrummhorn
Johannes Heimrath · Lauten, Schlaginstrumente, Blockflöten, Gesang
Christine Holsten · Diskantgambe
Michael Korth · Gesang, Laute, Fidel, Schlaginstrumente
Elke Miller · Hackbrett
Zeger Vandersteene · Tenor


Melodien und Texte ausgewählt, übertragen und erprobt von Johannes Heimrath und Michael Korth, Heimeran Verlag, München 1975









Oswald von Wolkenstein, geboren 1377, gestorben 1445, hat in seinem Leben eine weite Palette von Möglichkeiten verwirklicht. Als Schildknappe war er Pferdeknecht, Koch, Diener, nahm an Feldzügen teil gegen Litauen, er war Kaufmann auf der Handelsroute zwischen Konstantinopel und der Krim (erlitt hier Schiffbruch), er nahm (gegen Bezahlung oder zumindest in der Erwartung von Beute) an weiteren Feldzügen teil, beispielsweise nach Italien, wurde hoher Verwaltungsbeamter des Bischofs von Brixen (mit dem er sich bald verkrachte), war Großbauer (die ererbten Bauerngüter wurden verpachtet, er bezog Naturalabgaben), wurde beim Konzil von Konstanz Mitglied des königlichen Hofgefolges, wurde von König Sigmund in diplomatischer Mission zur Iberischen Halbinsel geschickt, nahm von dort aus teil an einem Feldzug gegen Nordafrika, heiratete gegen Ende des Konzils (1414-1418) die Schwäbin Margarete von Schwangau, brauchte nun einen standesgemäßen Wohnsitz, besetzte die Burg Hauenstein bei Seis, die ihm nur zu einem Drittel zustand, hatte seither unablässig Krach mit Martin Jäger, dem eigentlichen Besitzer, der eine genaue Liste darüber führte, was ihm Oswald im Lauf der Jahre abnahm. Als alle Proteste, alle Bitten um Hilfe bei Bischof und Landesherr nichts nützten, kidnappte Martin Jäger seinen Feind, folterte ihn, aber Oswald gab nicht nach, auch nicht dem Landesherrn, den er seit längerem bekämpfte. Sieben Kinder, weitere Feldzüge (gegen die Hussiten), weitere Reisen. Zum Schluß seines Lebens war Oswald einer der mächtigsten Männer Tirols; er starb in Meran. Dies alles reicht eigentlich aus, um ein Leben zu füllen, auch ein Leben von 68 Jahren - für die damalige Zeit mit ihrer sehr geringen Lebenserwartung ein biblisches Alter! Oswald hat aber auch ein zusätzliches, ebenfalls weites Spektrum verwirklicht: er hat Lieder und mehrstimmige Liedsätze geschrieben, hat sie als Sänger vorgetragen, hat sich mit verschiedenen Instrumenten begleitet. Das Spektrum reicht von autobiographischen Liedern, Reiseliedern, Frühlingsliedern, Tageliedern, Liebesliedern, pornographischen Liedern bis zu geistlichen Liedern.

Oswald, das lernt man nun in immer weiteren Kreisen sehen (und ich bilde mir ein, ich hätte mit meiner Oswald-Biographie nicht unwesentlich dazu beigetragen), ist einer der bedeutendsten Dichter unserer Sprache. Und er war einer der wichtigen Komponisten seiner Zeit, erweiterte die Ausdrucksformen des einstimmigen Liedes, führte im deutschsprachigen Raum die Kunst der Polyphonie ein. Dieser Textdichter und Komponist muß hörbar werden, in der ganzen, staunenswerten Breite seines Schaffens!

Dieter Kühn (1978)



BÄRENGÄSSLIN

Die unter dem Namen BÄRENGÄSSLIN herausgegebenen Schallplatten laufen parallel den im Heimeran-Verlag, München, erscheinenden Musikbüchern, die dem Werk einzelner Dichterkomponisten und Sammlungen von Texten und Melodien in sing- und spielbaren Ausgaben gewidmet sind.

Diese Verbindung von Buch und Schallplatte ist der Versuch, altes musikalisches Erbe einerseits in praktischen Editionen wieder zugänglich zu machen, andererseits durch akustische Beispiele zu veranschaulichen, wie diese Musik fernab einer musealen Interpretation neu erklingen kann. Die Voraussetzung hierzu bildet selbstverständlich die wissenschaftliche Erforschung des Liedmaterials sowie seiner Aufführungspraxis. Die peinlichen Geschmacksverirrungen auf dem Gebiet "Volkslied", die seit siebzig Jahren epidemieartig auftreten, entstehen immer aus einer unsicheren Kenntnis der Quellen oder ihrer Fehlinterpretation und der Unbekümmertheit der Interpreten, von Schulmeistern geprägte Formen kritiklos zu übernehmen.

Die Schallplatten und Bücher sollen dazu beitragen, in Vergessenheit geratene Liedkunst den Archiven zu entreißen und wieder lebendig werden zu lassen.








Ziel dieser CD soll es sein, das dichterische und musikalische Werk Wolkensteins in seiner ganzen Breite exemplarisch zu zeigen, ein Werk, das einerseits alle Themen, Formen und Motive der vergangenen mittelhochdeutschen Lyrik in sich aufgenommen hat, andererseits aber weit in die Neue Zeit vorausweist. Derbes und Zartes, Kompliziert-Raffiniertes und Volkstümlich-Einprägsames sind hier zu einer Einheit verschmolzen, die an Kraft und Vollkommenheit einzigartig darsteht.

Wolkensteins Liedersammlung in den Handschriften A, B, C enthält 126 Gedichte und 105 Kompositionen, darunter 40 mehrstimmige. Oswald von Wolkenstein hat die Mehrstimmigkeit in Deutschland eingeführt, die in Frankreich und Italien zu jener Zeit schon hoch entwickelt, in Deutschland jedoch nur in Ansätzen, z. B. beim Mönch von Salzburg, bekannt war. Seine Musik ist von arabischen bzw. berberischen, böhmischen, iro-schottischen und griechischen Stilelementen beeinflußt. Außerdem beherrscht Oswald die zeittypische Kunst der Kontrafaktur, die Unterlegung eines neuen Textes unter eine fremde Melodie, welche häufig auch variiert wird, mit einer formvollendeten Eleganz. Text- und Musikübertragung folgen der Innsbrucker Wolkensteinhandschrift B. Abweichungen sind bei den Liedtexten vermerkt. Die Übersetzungen ins Neuhochdeutsche sind aus Dieter Kühns Biographie "Ich Wolkenstein" (Insel-Verlag, Frankfurt 1977) übernommen. Dem Verlag sei hierfür freundlich gedankt.

CD (2001)




IMAGEN









1978
Pläne Studio, Dortmund

1978   |   Pläne G 10054 (LP)
2001   |   Pläne 88841 (CD)



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